Nominalstil vs. Verbalstil — Wie Sie Ihren Ausdruck auf das nächste Level heben

Nominalstil vs. Verbalstil — Wie Sie Ihren Ausdruck auf das nächste Level heben

Wer das Niveau C1 erreicht hat, beherrscht die Grundstrukturen der deutschen Sprache meist problemlos. Doch oft klingen Texte noch zu stark nach gesprochener Sprache oder wirken eintönig. Der Schlüssel zu einem eleganten, professionellen und akademischen Stil liegt in der bewussten Beherrschung zweier Stilmittel: dem Verbalstil und vor allem dem Nominalstil.

In diesem Artikel erfahren Sie, wann welcher Stil angebracht ist, wie sie funktionieren und wie Sie Ihre Sätze stilsicher transformieren.

1. Was versteht man unter Nominal- und Verbalstil?

  • Der Verbalstil (Handlungsorientiert):

    Im Vordergrund stehen Verben. Das Geschehen wird dynamisch und aktiv ausgedrückt.

    • Typisch für: Gesprochene Sprache, Romane, einfache Erklärungen.

    • Beispiel: „Weil es stark regnete, mussten wir das Spiel absagen.“

  • Der Nominalstil (Sachorientiert):

    Im Vordergrund stehen Nomen (Substantive). Informationen werden kompakter, dichter und abstrakter zusammengefasst. Verben dienen oft nur noch als schwache Bindeglieder (Funktionsverbgefüge).

    • Typisch für: Wissenschaftliche Arbeiten, Verträge, Behördentexte, Zeitungsartikel (Feuilleton/Politik).

    • Beispiel: „Wegen starken Regens musste das Spiel abgesagt werden.“

2. Warum ist der Nominalstil auf Niveau C1 so wichtig?

In der akademischen und professionellen Welt (z. B. im TestDaF, DSH oder im Arbeitsalltag) wird der Nominalstil bevorzugt, weil er:

  1. Informationen verdichtet: Mehr Fakten finden in kürzerem Raum Platz.

  2. Objektivität schafft: Durch den Verzicht auf persönliche Akteure (ich, du, man) wirkt der Text sachlicher.

  3. Komplexität ermöglicht: Verschachtelte Sachverhalte lassen sich eleganter steuern.

3. Die Transformation: Von Nebensätzen zu nominalen Ausdrücken

Um auf das C1-Niveau zu gelangen, müssen Sie gängige Nebensätze (kausal, temporal, konzessiv etc.) in entsprechende Präpositionalgefüge oder Nominalphrasen umwandeln können.

Satzart Verbalstil (Nebensatz) Nominalstil (Präpositionalphrase)
Kausal (Grund) Weil die Wirtschaft wuchs, stiegen die Löhne. Wegen des Wirtschaftswachstums stiegen die Löhne.
Temporal (Zeit) Als das Projekt beendet wurde, feierte das Team. Nach Beendigung des Projekts feierte das Team.
Konzessiv (Widerspruch) Obwohl die Kosten stiegen, wurde investiert. Trotz der steigenden Kosten wurde investiert.
Modal (Art und Weise) Indem man modernisierte, steigerte man den Gewinn. Durch Modernisierungsmaßnahmen wurde der Gewinn gesteigert.
Konditional (Bedingung) Wenn die Preise sinken, steigt die Nachfrage. Bei sinkenden Preisen steigt die Nachfrage.

4. Typische Stolperfalle: Die Kunst des richtigen Genitivs

Beim Nominalstil spielt der Genitiv (oder die Ersatzform von + Dativ) die Hauptrolle. Achten Sie besonders auf die Deklination von maskulinen und neutrum Nomen im Genitiv:

  • Falsch: Wegen dem starken Wind (Umgangssprache).

  • Richtig (C1-Niveau): Wegen des starken Windes / Aufgrund eines technischen Defekts.

5. Profi-Tipp: Die Balance halten

Auch wenn der Nominalstil auf C1-Niveau unerlässlich ist: Übertreiben Sie es nicht!

Ein Text, der nur aus Nominalstil besteht, wirkt extrem schwerfällig, hölzern und fast unlesbar („Beamtendeutsch“). Der perfekte C1-Stil zeichnet sich durch Abwechslung aus. Nutzen Sie den Nominalstil für dichte, komplexe Sachverhalte und den Verbalstil, um Argumente aufzulockern oder Dynamik zu erzeugen.

💡 Mini-Übung für zwischendurch

Wandeln Sie folgenden Satz im Verbalstil in den Nominalstil um:

„Da die Forschungsabteilung neue Daten auswertete, konnte das Medikament schneller zugelassen werden.“

(Lösung: Aufgrund der Auswertung neuer Daten durch die Forschungsabteilung konnte das Medikament schneller zugelassen werden.)*