Lernende auf den Niveaus B2–C1 verfügen bereits über ein solides grammatisches Fundament und können sich fließend ausdrücken. Dennoch treten gerade auf diesen fortgeschrittenen Stufen typische, oft subtile Fehler auf, die den sprachlichen Eindruck mindern – besonders in Prüfungen, im akademischen Kontext oder im Berufsleben. Auf dem Niveau C1 geht es nicht mehr um grundlegende Korrektheit, sondern um Präzision, Stil und Angemessenheit.
Ein häufiger Problembereich ist die Satzstellung in komplexen Strukturen. Zwar kennen Lernende die Regeln für Haupt- und Nebensätze, doch bei langen Sätzen mit mehreren Nebensätzen oder Infinitivkonstruktionen kommt es zu Fehlern. Beispiele sind eine falsche Verbendstellung oder eine überladene Satzstruktur, die zwar verständlich, aber stilistisch schwerfällig wirkt. Auf C1-Niveau wird erwartet, dass man komplexe Inhalte klar und logisch strukturiert formuliert.
Ein weiterer typischer Fehler betrifft den Gebrauch von Konnektoren und Satzverbindern. Lernende verwenden häufig dieselben Wörter wie „aber“, „weil“ oder „deshalb“, auch wenn stilistisch passendere Alternativen wie „jedoch“, „während“, „folglich“ oder „hingegen“ möglich wären. Auf C1-Niveau ist Variation im Ausdruck entscheidend, um Texte differenziert und professionell wirken zu lassen.
Auch der Kasusgebrauch bleibt ein sensibles Thema. Besonders der Genitiv wird oft vermieden oder falsch verwendet, obwohl er im formellen Sprachgebrauch sehr wichtig ist. Ebenso bereiten Präpositionen mit festem Kasus Schwierigkeiten, etwa bei abstrakten Wendungen wie „im Hinblick auf“, „angesichts“ oder „mithilfe“. Hier zeigt sich, ob Lernende die Sprache nicht nur kommunikativ, sondern auch formal korrekt beherrschen.
Ein klassischer Fehler auf hohem Niveau ist die Überverwendung von Passivkonstruktionen. Viele Lernende greifen zum Passiv, um formell zu klingen, wodurch Texte jedoch unnatürlich oder schwer lesbar werden. Im Deutschen wird auf C1-Niveau erwartet, dass man zwischen Aktiv, Passiv und alternativen Konstruktionen wie „man“-Sätzen oder Nominalisierungen bewusst wählen kann.
Besonders anspruchsvoll ist außerdem die Nominalisierung. Obwohl sie typisch für wissenschaftliche und formelle Texte ist, wird sie oft übertrieben oder falsch gebildet. Konstruktionen wie „die Durchführung der Analyse“ sind korrekt, wirken jedoch in hoher Dichte schnell schwerfällig. Fortgeschrittene Lernende sollten lernen, Nominalstil und Verbalstil gezielt zu kombinieren.
Ein weiterer häufiger Fehler liegt im Gebrauch von Konjunktiv I und II. Während der Konjunktiv II meist bekannt ist, wird der Konjunktiv I in der indirekten Rede oft ignoriert oder durch indikativische Formen ersetzt. Gerade auf C1-Niveau ist jedoch die sichere Verwendung der indirekten Rede ein wichtiges Kriterium für sprachliche Reife.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die typischen Fehler auf den Niveaus B2–C1 liegen weniger in fehlendem Wissen als in unzureichender Differenzierung und stilistischer Feinheit. Wer auf C1-Niveau erfolgreich sein möchte, sollte nicht nur Grammatikregeln beherrschen, sondern lernen, Sprache bewusst, präzise und situationsangemessen einzusetzen. Regelmäßiges Lesen anspruchsvoller Texte, gezieltes Feedback und aktiv